Meine Haltung beim IQ-Test mit Kindern

Neugier statt Prüfung

Wenn ein Kind zu mir in die Praxis zu einem IQ-Test kommt, ist das für mich jedes Mal ein schöner Moment voller Vorfreude. Die Tür geht auf und mit ihr ein junger Mensch, der etwas ganz Eigenes mitbringt. Eine Art zu denken, eine Art zu fragen, einen Humor, eine Tiefe, eine Sicht auf die Welt, die ich entdecken darf.

Genau darüber möchte ich heute schreiben. Über meine Haltung, wenn ich ein Kind beim IQ-Test begleite. Denn ich glaube, dass diese Haltung mindestens so wichtig ist wie das Testverfahren selbst.

Ich bin neugierig auf Dich

In den ersten Minuten denke ich nie: „Jetzt schauen wir mal, was dieses Kind kann und was nicht.“ Ich denke: „Ich bin gespannt auf Dich, auf Deine Talente, auf Deine Stärken, auf das, was Du mir heute zeigen wirst.“

Das ist keine Methode, die ich aufsetze, das ist eine echte Neugier. Mein Blick auf das Kind ist grundsätzlich ressourcenorientiert. Ich sehe, was da ist, was aufblitzt, was sich zeigt. Ich suche nicht nach dem, was fehlt. Ich schaue auf das, was es ausmacht.

Mein Ziel in den ersten Minuten ist deshalb nicht, dass ein Kind „funktioniert“. Mein Ziel ist, dass es sich wohlfühlt, dass es in seinem Tempo ankommt, dass es spürt: Hier darf ich sein, wie ich bin und hier darf ich zeigen, was ich kann.

IQ-Test mit Kindern bei Ulrike Alt.

Was ich bei hochbegabten Kindern immer wieder erlebe

Gerade hochbegabte Kinder sagen oft erstaunlich schnell: „Ich weiß es nicht.“ Auf den ersten Blick wirkt das paradox. Wie kann ein Kind, das eigentlich sehr viel weiß, so schnell aufgeben?

Was ich dahinter sehe, ist fast immer das Gleiche: die Angst, etwas Falsches zu sagen. Die Sorge, sich zu blamieren. Der innere Anspruch, nur dann etwas auszusprechen, wenn die Antwort ganz sicher stimmt.

In solchen Momenten ermutige ich die Kinder. Ich sage ihnen zum Beispiel: „Sprich ruhig alles, was Dir in den Sinn kommt. Ich möchte keinen Deiner guten Gedanken verpassen.“ Oder: „Es darf ruhig auch mal anstrengend werden. Wenn es unbequem wird, bedeutet das meistens, dass Dein Kopf gerade richtig arbeitet.“

Und dann passiert etwas Schönes: Die Kinder trauen sich. Sie denken laut, sie probieren und sie geben nicht mehr beim ersten inneren Widerstand auf.

Warum mir diese Haltung so wichtig ist

Ein IQ-Test ist für mich keine Situation, an dem ein Kind bestehen oder durchfallen soll. Es ist ein Blick darauf, wie dieses bestimmte Kind denkt, wahrnimmt, verknüpft, sich ausdrückt, und dieses dafür notwendige Fenster öffnet sich nur, wenn das Kind sich sicher, gesehen und wohl fühlt.

Deshalb ist für mich die offene und wertschätzende Begleitung mindestens so wichtig wie das Testverfahren selbst. Ich möchte, dass ein Kind am Ende des Tages nach Hause geht und denkt: „Das hat Spaß gemacht. Ich durfte zeigen, was in mir steckt.“

Dass mir das gelingt, höre ich oft von den Kindern selbst oder von ihren Eltern. Gerade die Kleinen verabschieden sich mit einem fröhlichen „Bis zum nächsten Mal!“ und fragen zu Hause, wann sie denn endlich wieder zu Ulrike zum Knobeln und Rätseln dürfen. Für mich ist das das schönste Feedback, das es geben kann.

Und ich möchte, dass Eltern das Gefühl haben: Mein Kind ist hier gesehen worden.

Das ist für mich der Unterschied. Und das ist es, was meine Arbeit mit Kindern ausmacht.

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