Twice exceptional und Neurodiversität in Unternehmen

Twice exceptional und Neurodiversität in Unternehmen

Twice exceptional bedeutet mehrfach außergewöhnlich.

Der Begriff „Twice exceptional“ ist vielen sicher nicht geläufig. Häufig wird Twice exceptional übersehen, genauer gesagt fehldiagnostiziert: Die Tatsache, dass ein Mensch eine besondere Begabung hat und gleichzeitig eine Beeinträchtigung, wird oft nicht verstanden. Häufig erfolgt auf dieses Thema eine defizitorientierte Sicht statt einer potenzialorientierten. Die neurologische Vielfalt aller Menschen birgt nämlich ein riesiges Potenzial, vorwiegend für Unternehmen. In diesem Artikel erkläre ich, was Twice exceptional eigentlich bedeutet, wie man es erkennt und welche Vorteile neurodivers Teams für Unternehmen haben.

 

Definition Twice exceptional

Der Begriff „Twice exceptional“, abgekürzt 2e, wurde Mitte der 90er-Jahre in die Lexika für Pädagogen aufgenommen und bedeutet übersetzt „mehrfach außergewöhnlich“. Er bezeichnet Menschen mit einer oder auch mehreren Begabungen sowie zusätzlich einer emotionalen, physischen, sensorischen oder psychischen Entwicklungsbeeinträchtigung oder Lern- und Leistungsgeschwindigkeit. Was bedeutet das im Konkreten? Menschen mit Begabungen sind beispielsweise Hochbegabte, Vielbegabte oder auch Hochsensible. Beeinträchtigungen hingehen können Diagnosen wie ADHS, Autismus, Lese- und Rechtschreibschwäche oder Tourette-Syndrom sein.

Das Besondere an 2e-Menschen ist, dass ihre außergewöhnliche Begabung durch ihre Beeinträchtigung weniger hervortreten kann. Sie sind also wie andere Begabte in mindestens einem Bereich sehr sachkundig und talentiert, können aufgrund ihres Defizits diese Stärke aber nicht so deutlich zeigen. Deswegen bräuchten 2e-Kinder gezielte sonderpädagogische Betreuung, um ihnen von Anfang an die Unterstützung zu geben, die sie benötigen. Twice exceptional wird allerdings oft wird übersehen und teilweise ein ganzes Leben lang nie identifiziert. 

Twice exceptional: Checkliste

Eine Diagnose ist sehr schwierig, da die Stärke das Defizit ausgleicht und das Defizit die Stärke unterdrückt. Begabung und Beeinträchtigung sind oft völlig gegensätzlich.

Welche typischen Merkmale ein 2e-Mensch hat, hängt davon ab, welche Doppeldiagnose vorliegt. Zudem ist es schwierig, zwei Kategorien wie „Stärken“ und „Schwächen“ mit eindeutig abgrenzbaren Merkmalen aufzuführen. Beispielsweise ist das Merkmal „Aktiv und unruhig“ der Hochbegabung (Begabung) sowie dem ADHS (Beeinträchtigung) zuzuschreiben. (Quelle: James T. Webb et al., Doppeldiagnosen und Fehldiagnosen bei Hochbegabung, Ein Ratgeber für Fachpersonen und Betroffene, 2. Überarbeitete Auflage)

Um dennoch einen Anhaltspunkt für die Identifizierung von Twice exceptional zu haben, kann diese Liste mit Merkmalen hilfreich sein: https://www.bigmindsunschool.org/resources-2/2e-characteristics/

 

Bei Verdacht von 2e sollte man immer psychologischen Rat aufsuchen. Wichtig ist hierbei jemanden zu finden, der sich gut mit Hochbegabung und Doppeldiagnosen auskennt. Wie oben bereits erwähnt, überschneiden sich Symptome oft. Für eine sichere Diagnose ist ein Experte auf diesem Gebiet unerlässlich, denn er kennt die richtigen Fragen und kann dadurch 2e gezielt identifizieren.

 

Warum ist eine Diagnose überhaupt wichtig? Vordergründig hilft es Betroffenen, ihren Platz zu finden, primär in ihrem Berufsleben. Durch ein tieferes Verständnis zu sich selbst und mit professioneller Unterstützung ist es für 2e-Menschen einfacher, offen und transparent über ihre besondere Situation mit ihrem Arbeitgeber zu sprechen.

Neurodiversität und Hochbegabung in Unternehmen

Wie gehen Arbeitgeber mit hochbegabten und neurodiversen Mitarbeitern um? Die Wahrheit ist, dass sich die meisten Hochbegabten in ihrem Job gar nicht outen, sondern anecken und grundsätzlich nicht verstanden werden. Arbeitgeber sollten ihre Mitarbeiter aufmerksam beobachten und mehr Wissen zu diesem Thema aneignen, um zu lernen, wie man mit Menschen umgeht, die um die Ecke denken, extrem schnell und intelligent sind. Wie sollte man auf Mitarbeiter reagieren, die ständig nach neuer Arbeit fragen, weil ihnen die Aufgaben zu wenig oder zu anspruchslos sind. Hochbegabte hassen Routinetätigkeiten, sehen Lösungen, bevor Kollegen das Problem kennen, wollen oft Großes bewegen und sich nicht in alltäglichen Aufgaben verlieren. Ein Arbeitgeber kann auf so vielen Ebenen davon profitieren, wenn ihm bewusst ist, wie er diese Ressource für sich nutzen kann. Das Ziel ist, ein Verständnis für hochbegabte und neurodiverse Menschen zu schaffen, sodass alle voneinander profitieren und gemeinsam wachsen.

Der Begriff Diversität bezieht sich in unserer heutigen Zeit oft auf Merkmale wie Alter, Nationalität, Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung und so weiter – Neurodiversität wird dabei oft nicht berücksichtigt, obwohl es ein Gewinn für jedes Unternehmen ist.

Ungewöhnliche Lösungswege sind typisch für Hochbegabte.

Definition Neurodiversität

Was ist eigentlich Neurodiversität? Der Begriff bezeichnet neurologische Vielfalt und zeigt sich in unterschiedlichen Bereichen der Persönlichkeit:

  • Lernen
  • Denkweise
  • Motorik
  • Struktur
  • Interaktion
  • Sprache
  • Wahrnehmung

 

Neurodiversität ist der Überbegriff für das breite Spektrum von unterschiedlichen neurologischen Entwicklungen wie Autismus, ADHS und Dyslexie. Jedoch werden Menschen, die medizinisch und psychologisch der Norm entsprechen als „neurotypisch“ bezeichnet

Welche Vorteile haben neurodiverse Teams

 

Neurodiverse Teams haben vor allem eine höhere kollektive Intelligenz, können sich besser auf Herausforderungen einstellen, arbeiten effektiver und sind in der Lage können qualitativere Entscheidungen zu treffen. Das liegt vor allem auch daran, dass Anpassungen in der Zusammenarbeit mit neurodivergenten Menschen für neurotypische Arbeitnehmer ebenfalls von großem Vorteil sind: reizarme Arbeitsumgebung, transparente Abläufe, klar strukturierte Kommunikation.

Neurodivergente Menschen haben aber nicht nur „besondere Bedürfnisse“, sondern bringen oft außergewöhnliche Stärken mit:

  • hohe intrinsische Motivation für Aufgaben, die ihrem Interesse entsprechen
  • können in einer kurzen Zeit viel Wissen erwerben
  • nehmen neue Perspektiven ein

Wie divers sind Unternehmen wirklich?

 

Menschen mit besonderen Begabungen werden zu oft als Bedrohung angesehen: Hochbegabte stellen hohe Anforderungen an ihren Job, weil er sie fordern und beflügeln soll. Hochsensible gelten als sensibel und zart besaitet. Umfragen haben ergeben, dass Menschen mit einer Hochbegabung eher nicht mit ihrem Arbeitgeber über die eigene Hochbegabung sprechen möchten, weil sie Angst haben, nicht verstanden zu werden oder überzogene Erwartungen an sie gestellt werden. Schubladendenken zeigt sich vor allem in Sätzen wie „Warum weißt du das nicht, du bist doch hochbegabt.“ oder „Warum benötigst du so lange, du bist doch hochbegabt.“ Dabei überlegt ein Hochbegabter vielleicht länger und durchdenkt alle Details, um nichts zu übersehen. Aufgaben werden sauber und möglichst fehlerfrei abgeschlossen – eigentlich der Wunsch eines jeden Arbeitgebers.

Dabei bereichern Menschen mit besonderen Begabungen ein Unternehmen auf so vielen Ebenen. Dennoch sind viele Prozesse in Unternehmen eher für neurotypische Menschen ausgelegt. Nach außen hin leben die Unternehmen Diversität, denken dieses Thema allerdings eher eindimensional. Denn Diversität ist nicht nur Nationalität, Geschlecht oder sexuelle Ausrichtung. Sondern eben auch neurodiverse Menschen.

Hochsensibel oder hochsensitiv? Der Unterschied!

Hochsensibel oder hochsensitiv? Der Unterschied!

Das ist der Unterschied zwischen hochsensibel und hochsensitiv.

Die Begriffe „Hochsensibel“ und „Hochsensitiv“ werden oft synonym verwendet. Viele unterscheiden zwischen diesen beiden Persönlichkeitsmerkmalen nicht, wodurch viele Hochsensible glauben, sie sind hochsensitiv und umgekehrt. Aber beschreiben die zwei Begriffe tatsächlich genau das Gleiche? Tun sie nicht und ich erkläre dir in diesem Artikel, worin genau der Unterschied liegt.

Woher kommen die Begriffe?

Den Begriff „Highly sensitive person“ hat in den 90er-Jahren die Psychotherapeutin Elaine N. Aaron auf Grundlage ihrer Forschungsarbeit zur Sensitivität geprägt. Ins Deutsche wurde der Begriff mit „Hochsensible Person“ übersetzt und später in „Hochsensitive Person“, weil das Wort hochsensibel irgendwann negativ behaftet war. Ein hochsensibler Mensch wurde in der Gesellschaft einfach als „Sensibelchen“ abgestempelt, wodurch die Identifikation mit diesem Persönlichkeitsmerkmal zu einer echten Herausforderung wurde. Wer möchte in unserer heutigen Leistungsgesellschaft als schwach und empfindsam angesehen werden?

 

Auch heute noch unterscheiden viele Experten nicht zwischen diesen beiden Begriffen. Hochsensibilität wird demnach ständig mit Hochsensitivität gleichgestellt. Häufig, aber nicht gezwungenermaßen, treten diese Phänomene auch gleichzeitig auf, meinen aber nicht das Gleiche. Man kann wesentliche Unterschiede zwischen hochsensiblen und hochsensitiven Menschen feststellen.

Merkmale von Hochsensiblen

Hochsensible reagieren stärker als andere auf Umweltreize, weil ihre fünf Sinneswahrnehmungen ausgeprägter sind und sie dadurch viel mehr Informationen verarbeiten. Geräusche, Licht, Temperatur, Herzklopfen, Harndrang, Wut, Trauer oder Freude: All das nehmen Hochsensible extremer und intensiver wahr.  

Viele hochsensible Personen, die sich ihrer Ausprägung noch nicht bewusst sind, gönnen sich zu wenig Pausen im Alltag und möchten mit anderen mithalten. Dabei ist es gerade für sie wichtig, die ständige, unkontrollierbare Reizüberflutung bewusst zu pausieren und den Akku regelmäßig aufzuladen. Nur so können hochsensible Personen von ihrer feinen Wahrnehmung profitieren.

 

Lies dazu gerne meinen Artikel „Woran merke ich, dass ich hochsensibel bin?“ Dort findest du eine Liste mit vielen typischen Merkmalen, die dir hilft zu erkennen, ob du hochsensibel bist.

Extreme Gefühle sind typisch für Hochsensible.

Merkmale und Unterscheidung von Hochsensitiven

Wie oben bereits erwähnt sind viele, die hochsensibel sind, auch hochsensitiv. Aber was bedeutet denn nun Hochsensitivität? Eine der bekanntesten Expertinnen, die bewusst eine Unterscheidung zwischen Hochsensiblen und Hochsensitiven macht, ist Anne Heintze. Gemäß Heintze tritt bei hochsensitiven Personen nicht unbedingt die Schärfung der fünf physischen Sinne auf. Viel eher haben Hochsensitive einen sogenannten „sechsten“ oder vielleicht auch „siebten“ Sinn. Sie werden als hellsichtig, hellfühlig oder hellhörig bezeichnet und sind oft sehr empathisch. Häufig nehmen hochsensitive Personen Visionen oder Ahnungen wahr, die scheinbar aus einer anderen Wirklichkeit stammen.

 

Hochsensitive sind sehr spirituell und nehmen ganz selbstverständlich die Tatsache an, dass es Energien gibt, die außerhalb unserer alltäglichen Wahrnehmung liegen. Ein Fakt, der für nicht hochsensitive Menschen schwierig zu begreifen ist.

 

Viele Betroffene wissen gar nichts von ihrem Persönlichkeitsmerkmal und fühlen sich mit ihren besonderen Fähigkeiten verständlicherweise stark überfordert und einsam. Das persönliche Umfeld reagiert auf diese Erscheinungen häufig mit Unverständnis und Vorurteilen. Damit der Alltag als hochsensitiver Mensch etwas einfacher ist und die Fähigkeit auch mit Sinnhaftigkeit und Tiefe genutzt werden kann, ist es essenziell, seine eigene Hochsensitivität anzunehmen, zu akzeptieren und vor allem zu verstehen. Ein Coach, der sich mit dieser Thematik gut auskennt, kann hier helfen entscheidende Schritte in seiner Persönlichkeitsentwicklung zu gehen.

 

Hochsensitive Personen, die gelernt haben mit ihrer Ausprägung umzugehen, können diese mit Leichtigkeit und freudvoll nutzen oder wissen sogar, wie sie ihre Fähigkeit an- und ausschalten. So können sie ihre Energie gezielt für ihr eigenes Wohl, aber auch zum Wohle anderer einsetzen.

Hochsensitive sind sehr empathisch.

Test – Bin ich hochsensitiv?

Im Folgenden führe ich ein paar typische Aussagen auf, die auf Hochsensitive zutreffen. Je mehr du davon mit „Ja“ beantworten kannst, umso wahrscheinlicher ist es, dass du hochsensitiv bist.

 

  • Ich habe oft ein Hellwissen und spüre das, was nicht gesagt wird.
  • Ich lese schon mein ganzes Leben lang zwischen den Zeilen den Subtext und kann das auch gar nicht vermeiden.
  • Ich merke sofort, wenn etwas nicht stimmt.
  • Manchmal habe ich Bilder im Kopf, die genau so eintreten.
  • Mir wurde als Kind oft gesagt „Träum nicht schon wieder!“
  • Meine Vorstellungskraft ist sehr stark.
  • Ich habe viel Fantasie.
  • Ich bin sehr empathisch.
  • Ich leide sehr darunter, wenn Menschen um mich herum Sorgen haben.
  • Meine Gefühle sind sehr intensiv.
  • Ich habe ein starkes Helfer-Syndrom.
  • Ich empfinde Schmerz von anderen stärker, als sie es selbst tun.
  • Ich kann keine Grenzen setzen.
  • Ich verliebe mich leicht und sehr intensiv.
  • Ich fühle mich oft beobachtet.

Eine unentdeckte hochsensitive Ausprägung kann Angst einjagen, denn viele Dinge können rational gar nicht richtig erklärt werden und werden von der Gesellschaft als „Hokuspokus“ abgestempelt. Betroffene haben oft das Gefühl„verrückt zu werden“. Wenn du vermutest, hochsensitiv zu sein, solltest du deswegen nicht lange zögern und den Austausch mit Menschen suchen, die dich unterstützen können. Das können beispielsweise Gleichgesinnte sein, die du schnell und unkompliziert in einem Forum für Hochsensitive finden kannst. Häufig ist es schon sehr heilsam zu wissen, dass es da draußen jemanden gibt, der Verständnis für die eigene Situation aufbringt.

 

Ein Coach kann dir zusätzlich helfen, dich selbst anzunehmen und zu lernen, wie du deine Fähigkeit einsetzen kannst. Als hochsensitive Personen benötigst du ganz individuelle Rahmenbedingungen, um glücklich leben und arbeiten zu können. Du benötigst vorwiegend eine sinnvolle Arbeit, eine ruhige Atmosphäre und einen ehrlichen Austausch, der dich in deinem Selbst nicht einschränkt.

 

Ich bin selbst hochsensitiv und kann dir deswegen in einem Coaching sehr gezielt helfen deine Hochsensitivität, als das zu erkennen, was sie in Wahrheit ist: Deine Superpower!

Woran merke ich, dass ich hochsensibel bin?

Woran merke ich, dass ich hochsensibel bin?

Hochsensible spüren Emotionen stärker.

Hochsensibilität ist heutzutage in aller Munde und wird oftmals als „Modediagnose“ gesehen. Menschen, die hochsensibel sind, bekommen oft den Stempel „Sensibelchen“ aufgedrückt, was sie natürlich doppelt so hart trifft – sie sind ja hochsensibel. Dabei verfügen diese Menschen über ein außerordentliches Maß an Empathie und sind hervorragend im Zuhören, was aus Ihnen unersetzbare Gesprächspartner macht. Wie genau sich Hochsensibilität äußert, wie man sie erkennt und vor allem wie man damit glücklich leben kann, erkläre ich in diesem Artikel.


Was ist Hochsensibilität?

Zunächst einmal ist es hier wichtig zu erwähnen, dass natürlich alle Menschen sensibel sind. Jeder Mensch nimmt ununterbrochen Informationen aus seiner Umwelt auf und verarbeitet diese. Allerdings wird ein großer Teil dieser Informationen aus der spürbaren Wahrnehmung herausgefiltert – wir merken also gar nicht, dass wir diese Information gerade verarbeiten. Bei Hochsensiblen fehlt dieser Filter, genauer gesagt ist er einfach weniger ausgeprägt. Die logische Konsequenz ist: Sie nehmen viel mehr Informationen bewusst auf.

Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal und keine Störung oder Krankheit, wie vielleicht einige vermuten. Hochsensible Menschen haben aufgrund besonderer Eigenschaften ihres Nervensystems eine höhere Ausprägung der Sensitivität, also der Empfindsamkeit gegenüber inneren und äußeren Reizen. Genauer gesagt reagieren sie stärker auf Umweltreize wie Geräusche, Licht und Temperatur. Innere Reize wie Harndrang, starkes Herzklopfen, aber auch Gedanken und Gefühle wie Wut, Traurigkeit, Aufregung oder Freude werden viel stärker empfunden. Bei jedem von uns ist die Sensitivität unterschiedlich stark ausgeprägt. Hierbei unterscheidet man zwischen niedriger, mittlerer und hoher Sensitivität – Letztere zählen zu den Hochsensiblen.

Den Begriff „Hochsensibilität“ hat vor allem die US-amerikanische Psychotherapeutin Elaine N. Aron geprägt. 1997 definierte sie in einem Fachartikel erst einmal den Begriff „Highly Sensitive Person“ (HSP), der auf Grundlage ihrer Forschungsarbeiten zur Sensitivität basiert.

Die Veröffentlichungen nach Aron halten sich allerdings in Grenzen – die Kluft zwischen Praxis und Forschung ist hier sehr groß. Forscher tun sich aktuell noch schwer, dieses Merkmal wirklich zu erfassen und die meisten Veröffentlichungen basieren nach wie vor auf Elaine Aron.

Vor- und Nachteile einer Hochsensibilität

Informationen zu verarbeiten, kann anstrengend sein. Aus diesem Grund gibt es Pausen zwischen den Unterrichtsstunden, Unterbrechungen während einer Oper und auch bei langen Vorträgen oder Seminaren wird jede Pause dankend angenommen. Irgendwann ist die Aufnahmekapazität einfach erschöpft. Bei Hochsensiblen ist das genauso. Allerdings früher, denn sie nehmen ununterbrochen und dadurch viel mehr Informationen auf und müssen diese verarbeiten. Auch ein vermeintlich entspannter Abendspaziergang durch die Stadt kann anstrengend sein, denn das Gehirn ist ständig auf bewusste Wahrnehmung programmiert. Dadurch sind Hochsensible einfach schneller mental erschöpft und müssen viel öfter bewusst ihre Akkus aufladen.

Hochsensible leiden stark unter dem Gefühl nicht normal zu sein, denn ihre Umgebung hält einfach viel mehr aus und können Dinge tun, die für den Hochsensiblen einfach nur unerträglich erscheinen. Im ersten Moment fällt es schwer, hier Vorteile zu entdecken.

Dabei können Hochsensible, die ihr besonderes Persönlichkeitsmerkmal erkannt und akzeptiert haben, Dinge im Alltag ganz anders wahrnehmen und schätzen. Gerüche, Klänge, das ganze Leben wird einfach intensiver wahrgenommen, wodurch man öfter schöne Erlebnisse hat. Die kleinen Wunder im Alltag, von denen jeder spricht – Hochsensible entdecken sie jeden Tag. Außerdem schätzen Hochsensible Intimität, haben ein ausgeprägtes Gespür für Stimmungen und subtile Botschaften, wodurch sie zu richtig guten Zuhörern werden.

Hochsensible nehmen den Alltag bewusster wahr.

 

Menschen, die hochsensibel sind, werden oftmals zu erstklassigen Beratern, Künstlern, Coaches oder Wissenschaftlern.

 

Welche Symptome hat jemand, der hochsensibel ist?

Bei Hochsensibilität ist es falsch, von Symptomen zu sprechen – wie oben bereits erwähnt, handelt es sich nicht um eine Krankheit oder ein Problem, sondern um ein Persönlichkeitsmerkmal, das wir alle haben und bei manchen einfach stärker ausgeprägt ist als bei anderen.

 

Es geht also eher um die Frage: Woran erkenne ich, ob ich hochsensibel bin?

  • Gefühle wie Trauer, Freude, Wut oder Mitgefühl werden stärker empfunden
  • Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
  • Große Empathie, starkes Einfühlungsvermögen
  • Hang zu Perfektionismus
  • Intensives Erleben von Kunst und Musik
  • Hohe Begeisterungsfähigkeit
  • Starkes Harmoniebedürfnis
  • Schwierigkeiten beim Umgang mit Stress und Leistungsdruck
  • Hohe Kreativität und vielschichtige Fantasie
  • Langer emotionaler Nachklang des Erlebten
  • Detaillierte Selbstreflexion und Reflexion der Umwelt
  • Stärkeres Schmerzempfinden
  • Neigung zu schneller Erschöpfung und Überforderung
  • Prüfungsangst und Nervosität, wenn andere beim Arbeiten zusehen
  • Nicht fähig zu Multitasking
  • Eher introvertiertes Verhalten

 

Einige dieser Merkmale finden sich bereits in meinen Blogartikeln zur Vielbegabung und Hochbegabung wieder. Keine Eigenschaft deutet eindeutig und zweifellos auf Hochsensibilität, Vielbegabung oder Hochbegabung. Es ist viel mehr das Zusammenspiel mehrerer Eigenschaften.

 

Wie kann Hochsensibilität diagnostiziert werden?

Eine Diagnose, wie bei einer klassischen Krankheit, kann bei Hochsensibilität nicht ärztlich bestätigt werden. Es existieren zwar schon einige wenige MRT-Studien, die zeigen, dass bei hochsensiblen Menschen eine stärkere Aktivierung der Inselrinde sichtbar ist und dennoch ist die Existenz des Phänomens unter Wissenschaftlern noch umstritten.

Üblicherweise wird mittels eines Fragebogens festgestellt, ob ein Mensch hochsensibel ist. Die Tests basieren im Wesentlichen alle auf dem von Elaine Aron entwickelten Test, den sie in ihrem Buch „Hochsensible Menschen in der Psychotherapie“ veröffentlicht hat.

Bei Sensitivity Research können Selbsttests online gemacht werden, um die Sensibilität einfach und zuverlässig zu messen. Damit lässt sich leicht herausfinden, ob man hochsensibel ist oder nicht. sensitivityresearch.com ist eine Webseite, die von Forschern betrieben wird. Ihren eigenen Angaben zufolge möchten sie für zuverlässiges Wissen über das Persönlichkeitsmerkmal Sensibilität sorgen und haben deswegen zusammen mithilfe der Jacobs Foundation diese Webseite ins Leben gerufen.

Wie geht man mit Hochsensibilität um?

Das Leben kann als Hochsensibler sehr anstrengend sein. Mit diesen Tipps kann der Umgang mit der eigenen Hochsensibilität sowie das Zusammenleben mit anderen erleichtert werden:

 

  • Optimiere Die Bedingungen zu Hause und an Deinem Arbeitsplatz.

Entferne alles, was unnötige Reize verursacht. Gestalte Dein Zuhause und Deinen Arbeitsplatz so, dass Du Dich rundum wohlfühlst und zur Ruhe kommen kannst. Warme Farben, beruhigende Bilder sowie Kerzen können zu einer Wohlfühloase beitragen. In einem Großraumbüro können Noise-Cancelling-Kopfhörer für die nötige Stille sorgen.

  • Plane Ruhephasen ein.

Nimm Dir mehrmals am Tag 5-10 Minuten zum Durchatmen und schließe dabei die Augen. Diese kurzen Unterbrechungen können Wunder bewirken und Dir dabei helfen, dass Dein eigener Akku länger aufgeladen ist.

  • Strukturiere Deinen Tag gewissenhaft.

Dein Tagesablauf sollte nicht von zu vielen Terminen und Aufgaben dominiert sein. Sag auch mal „Nein“ zu Kollegen und vor allem auch zu Freunden und Familie.

  • Erlaube Dir öfter mal allein zu sein.

Rückzug ist bei hochsensiblen Menschen essenziell, um wieder zu Kräften zu kommen. Zu viel davon kann allerdings schnell in Isolation und Einsamkeit enden – sag also nicht immer ab, wenn Freunde mit Dir ausgehen möchten.

  • Baue Stress gezielt ab.

Mache Yoga, Pilates, Qi Gong, Meditation oder gehe öfter mal baden. Auch anderer Sport kann helfen, um Stress abzubauen. Integriere regelmäßig Bewegung und Entspannungsverfahren in Deinen Alltag.

 

Sollten zu der Hochsensibilität begleitende Symptome wie Depression dazukommen, sollte auf jeden Fall ein Therapeut zu Rate gezogen werden. Auch ein Coach, der sich im Umgang mit Hochsensiblen auskennt, kann helfen, die eigene Hochsensibilität besser zu verstehen.

 

Hochsensible benötigen häufig Pausen um wieder Energie zu gewinnen.

 

Ich bin selbst vielbegabt, hochsensibel und hochsensitiv und weiß deswegen, was es heißt, mit einem Merkmal zu leben, das man erst verstehen und akzeptieren muss, bevor es einem Superkräfte verleihen kann. Als Coach weiß ich genau, wie ich hochsensible Menschen unterstützen kann, hinderliche Glaubensmuster aufzulösen, um wieder mehr in die Ruhe und Entspannung zu finden. Ich zeige Hochsensiblen, wie sie durch Mentaltraining gekonnt mit ihren Herausforderungen im Alltag umgehen können und schaffe durch meine Empathie einen absoluten Wohlfühlort und eine starke Vertrauensbasis.